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Künstliche Intelligenz im Hörsaal: Sind Roboter die Lehrkräfte von morgen?

Künstliche Intelligenz ist eines der aktuell führenden Themen. Computer und Roboter haben sich zu nützlichen Werkzeugen entwickelt, die jeden Aspekt unseres Lebens betreffen – sei es zu Hause, am Arbeitsplatz oder im Bereich der Bildung. Ist dies zu viel des Guten? Werden Roboter künftig Lehrkräfte an Hochschulen und Universitäten ersetzen?

Artificial Intelligence in the lecture hall: Are robots tomorrow’s lecturers?

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) ist in aller Munde. Computer und Maschinen, die imstande sind, menschliches Handeln zu imitieren sowie selbständig und selbstlernend Tätigkeiten zu verrichten, sind die Zukunft. Bislang beschränkte sich der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Deutschland auf einzelne Bereiche (zum Beispiel Medizin, Autoelektronik). Das ist jedoch im Begriff, sich schnell zu ändern. Nicht nur finden Roboter schon heute sogar in Geldinstituten Verwendung, um Angestellte bei der Kundenberatung zu unterstützen. Auch an Hochschulen gewinnt Künstliche Intelligenz zunehmend an Bedeutung. Das Ausschöpfen des bildungsspezifischen Potenzials Künstlicher Intelligenz ist bereits Bestandteil der politischen Agenda geworden. So fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Projekt „Humanoid Emotional Assistant Robots in Teaching“ (kurz: H.E.A.R.T.) an der Phillips-Universität in Marburg. Die Vision: der Einsatz von humanoiden Robotern in der Lehre, um bestmögliche Bildung zu garantieren. Der Gedanke, Künstliche Intelligenz für den Bildungssektor nutzbar zu machen, trifft jedoch nicht nur auf Befürworter. Skeptiker befürchten, dass der Einsatz Künstlicher Intelligenz zu einem Verschwinden menschlicher Lehrkräfte führen könnte.

Humanoide vs. androide Roboter

Die Erforschung, Entwicklung und Erprobung humanoider, d. h. menschenähnlicher Roboter erstreckt sich weltweit über sämtliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Bei humanoiden Robotern handelt es sich um computergesteuerte Maschinen, die den Menschen in Form, Funktion und Verhalten imitieren, um auf menschliche Art und Weise auf ihr Umfeld reagieren zu können. Sie ähneln Menschen hinsichtlich ihres Körperbaus (Kopf, Arme, Beine) und ihrer Bewegungseigenschaften. Ein bekanntes Beispiel für einen solchen Roboter ist der von Boston Dynamics entwickelte Humanoid Atlas.

Davon zu unterscheiden sind androide Roboter. Zwar sind alle androiden Roboter zugleich humanoide Roboter, sofern sie menschliches Verhalten und Aussehen simulieren, aber nicht alle humanoiden Roboter sind Androide. Das Charakteristische an Androiden ist, dass sie Menschen zum Verwechseln ähnlich sehen und diese möglichst genau imitieren. Während humanoide Roboter äußerlich Menschen nur grob nachempfunden sind, sind androide Roboter gewissermaßen künstlich erzeugte Menschen. Ihr Äußeres beruht oft auf wirklich existierenden Menschen. Ein Android, der bereits öfter für Schlagzeilen gesorgt hat, ist die Roboterfrau Sophia – Produkt des in Hong Kong ansässigen Ingenieur- und Robotikunternehmens Hanson Robotics und seit kurzem Staatsbürgerin Saudi-Arabiens.

Sowohl Humanoide als auch Androide besitzen die Fähigkeit, Gefühlszustände, Einfühlungsvermögen und non-verbale Kommunikation nachzuahmen.

Wie humanoide Roboter die Hochschullehre revolutionieren

Um Künstliche Intelligenz auch in der Hochschullehre bzw. im Bildungssektor einsatzbereit zu machen, setzt das Forschungsteam des H.E.A.R.T.-Projektes unter der Leitung von Professor Jürgen Handke ebenfalls auf humanoide Roboter. Gearbeitet wird mit zwei humanoiden Robotern des japanischen Unternehmens Softbank Robotics: dem 120 Zentimeter großen, kulleräugigen Pepper und dem 50 Zentimeter großen Nao. Beide sind soziale Roboter, die mit Interaktions- und Bewegungssensoren ausgestattet sind. Die Interaktion erfolgt über eigens durch das Forschungsteam entwickelte Apps.

Angetrieben wird das Forschungsprojekt durch die Frage, wie intelligent ein humanoider Roboter in kommunikativer, kultureller und emotionaler Hinsicht sein muss, um ein auf ihre Umgebung und Interaktionspartner angepasstes Verhalten zeigen zu können. Zunächst geht es darum festzustellen, auf welche konkrete Weise humanoide Roboter an Hochschulen integriert werden können. Anschließend gilt es den Einsatz der Roboter in Lehrveranstaltungen zu testen und deren Nutzen einzuschätzen.

Werden Roboter künftig Lehrkräfte an Universitäten und Hochschulen ersetzen?

Dass Maschinen uns eines Tages ersetzen oder gar vernichten könnten, ist eine Sorge, die viele Menschen beschäftigt. Zu groß ist Angst vor dem Unbekannten, zu negativ sind unsere Assoziationen hinsichtlich humanoider Maschinen. Doch wenn man den Erläuterungen Handkes Glauben schenken kann, so ist diese Sorge unbegründet. Der Linguistik-Professor wehrt sich gegen die gängigen Hollywood-Klischees. Die Roboter seien weder eine Bedrohung noch stellten sie eine Konkurrenz für Hochschullehrende dar – ganz im Gegenteil.

Eine Bedrohung sind sie gemäß Handke deshalb nicht, weil sie letztlich nur das tun können, worauf sie programmiert sind. Jedes Wort und jedes emotionale Verhalten sei eingegeben. Eine hundertprozentige Simulation menschlicher Intelligenz ist für Handke ebenso unwahrscheinlich wie eine baldige Erforschung des menschlichen Bewusstseins bzw. Gehirns. Die Intelligenz der Roboter liege darin, auf der Grundlage der eingespeicherten Daten je nach Situation angemessen zu reagieren. Gleichwohl räumt Handke ein, dass gewisse Konflikte nicht auszuschließen sind. Missverständnisse und Fehlverhalten seien wie in jeder sozialen Umgebung zu erwarten. Das spricht seiner Meinung nach aber nicht gegen den Einsatz der Roboter. Denn als lernfähige Systeme sind sie in der Lage, aus Fehlern zu lernen, so Handke.

Der Konkurrenzgedanke wiederum widerspricht aus Handkes Sicht dem eigentlichen Zweck der Roboter. Dieser bestehe darin, eine Assistenzfunktion auszuüben und Lehrkräfte in ihrer Arbeit zu unterstützen, um so einen Mehrwert zu schaffen. Zwar werden die Roboter mehr Aufgaben und Tätigkeiten in der Lehre und Studierendenbetreuung übernehmen können, je entwickelter sie sind. Doch der Fokus liegt darauf, die Lehrenden in den Präsenzphasen zu entlasten, damit mehr zeitliche Kapazitäten für individuelle Lernbegleitung in der Phase der digitalen Inhaltsvermittlung geschaffen werden können. Wenn das möglich ist, dann könnte der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Hochschullehre sich unter anderem als eines von mehreren Mitteln erweisen, um den derzeit katastrophalen Betreuungsschlüssel von Hochschulen zu verbessern. Was es letztlich zu erreichen gilt, so Handke, ist, dass sich humanoide Roboter und (Hochschul-) Lehrende irgendwann in ihren Tätigkeiten ergänzen.

Die ersten Schritte zu diesem Ziel sind schon getan. So ist die Phillips-Universität Marburg die erste Hochschule, in der erstmalig ein Roboter eigenständig eine komplette Vorlesung (in Anglistik) durchgeführt hat. Und auch andere Hochschulen ziehen mit und erhalten Unterstützung durch die Politik. Die Regierung des Freistaates Bayern plant, durch Förderung der Kooperation von bayerischen Hochschulen und Forschern Bayern zum Spitzenreiter für Künstliche Intelligenz in Europa zu machen.

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