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Bildung 4.0 – Universitäten und Hochschulen im digitalen Zeitalter

Digitalisierung findet nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch an Hochschulen statt. Der Ausdruck Bildung 4.0 bezeichnet die digitale Transformation von Bildung durch Technologie. Bildung 4.0 bietet zahlreiche Vorteile – ein höheres Maß an Motivation und Interesse seitens der Studierenden sowie die Möglichkeit, neue Lernmethoden zu erkunden. Dem stehen allerdings auch Nachteile gegenüber, denn nicht jede Hochschule kann mit dem schnellen Tempo der Technologie mithalten.

Education 4.0 – Higher-education institutions in the digital age

Der Siegeszug der Digitalisierung beschränkt sich nicht allein auf die Industrie und Arbeit. Auch im Bereich der Bildung hält die Digitalisierung verstärkt Einzug. Beschrieben wird diese Entwicklung im Bildungsbereich mit dem Schlagwort Bildung 4.0. Dieses bezeichnet die digitale Transformation von Bildungsprozessen durch neuartige Lerntechnologien. Davon betroffen ist neben der Berufsbildung ebenso die Hochschulbildung. Dass sich die Hochschulbildung in einer Umbruchphase befindet, ist unumstritten. Jedoch scheiden sich die Geister am Nutzen der digitalen Revolution der Hochschulbildung. Während Gegner mit dem Ende der Hochschullandschaft wie wir sie kennen einen Bildungsniedergang befürchten, sehen Befürworter reichlich unausgeschöpftes Optimierungspotenzial. Fest steht, dass die Realisierung des Bildung 4.0-Konzeptes nicht nur Chancen, sondern auch Herausforderungen für die Ausbildung an Hochschulen und Universitäten mit sich bringt.

Die Digitalisierung der Hochschullandschaft ist nicht zu stoppen

Im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Bereichen vollzieht sich die Digitalisierung an Universitäten und Hochschulen zwar schleppend. So unterscheidet sich die universitäre Infrastruktur noch nicht wesentlich von der vor zwei Jahrzehnten. Aber angesichts der rasanten Etablierung Internet-basierter Technologien wie Smartphones, Cloud Computing, Sozialer Medien, Tablets, Apps etc. ist der digitale Wandel auch im Hochschulbereich nicht mehr aufzuhalten. Wie sich dieser Wandel im Einzelnen gestalten wird, ist noch ungewiss. Die zukünftige Bedeutung von Bibliotheken, Seminarräumen und Hörsälen als traditionellen Lernorten steht daher in Frage.

Das selbsterklärte Ziel von Hochschulen lautet, mittels innovativer digitaler Strategien möglichst viele verschiedenartige Studierende zu erreichen. Erste Veränderungen zeigen sich bereits darin, dass immer mehr Hochschulen E-Learning-Portale bereitstellen, die Lernenden Zugang zu digitalen Lernmaterialien (z. B. Vorlesungsvideos, digitale Skripte, virtuelle Kurse) verschaffen. Neben digitalen Plattformen greifen Hochschulen auch auf Apps zwecks digitaler Unterstützung ihrer Studierenden zurück. So findet die App-Technologie an Universitäten und Hochschulen vereinzelt Verwendung, um neue Studierende auf digitalem Wege durch ihr Studium zu führen. Technologische Innovationen wie diese eröffnen Chancen und Herausforderungen gleichermaßen.

Chancen digitalisierter Hochschulbildung

Bildung 4.0 beseitigt Barrieren und fördert autonomes Lernen

Dass Bildung 4.0 Vorzüge beinhaltet, ist schwer zu leugnen. Nicht nur können digitale Lerntechnologien die Bildung für Studierende attraktiver und zeitgemäßer gestalten und so deren Lernmotivation erhöhen. Darüber hinaus trägt die Möglichkeit, Lehrveranstaltungen in Form von Webinars oder Online-Vorlesungen zu besuchen, Tests online durchzuführen oder Aufgaben über ein Lernportal zu bearbeiten und hochzuladen maßgeblich dazu bei, Lernhürden zu beseitigen, insofern etwa zeitliche Engpässe oder räumliche Distanz keine Barrieren mehr darstellen. Dadurch wird ebenfalls die Autonomie der Lernenden gefördert: Die Studierenden bestimmen selbst, zu welchem Zeitpunkt oder an welchem Ort sie sich mit den Lerninhalten auseinandersetzen.

Bildung 4.0 spart Kosten

Hinzu kommt, dass digitale Lernmaterialien in Form von PDF-Dateien oder Online-Präsentationen einen kostensparenden Effekt haben. Skripte und Unterrichtsmaterialien müssen nicht mehr fotokopiert werden, sondern sind einfach und bequem im Internet herunterladbar. Dies ermöglicht es Studierenden zudem, sich vorab mit den Unterrichtsinhalten auseinanderzusetzen und sich optimal auf eine Lehrveranstaltung vorzubereiten. Der kostensparende Effekt zeigt sich besonders an Fernhochschulen. So versetzt die Abrufbarkeit von Lernmaterialien im Internet sie in die vorteilhafte Lage, die früher per Post versendeten Studienbriefe durch E-Books und/oder Videotutorials zu ersetzen.

Kollaboratives Lernen dank gesteigerter Interaktivitätsmöglichkeiten

Darüber hinaus steigert Bildung 4.0 die Interaktivität sowohl zwischen Lehrenden und Lernenden als auch zwischen den Studierenden untereinander. Soziale Medien und Instant-Messaging-Dienste (z. B. Chats, Videoanruftools) erlauben es, sich zu vernetzen, Lerngruppen zu bilden und sich unmittelbar persönlich auszutauschen. Didaktisch ist das schon deshalb vorteilhaft, weil die Studierenden beim Lernen zu Hause parallel Inhalte und Fragen mit Kommilitonen diskutieren können, eigene Lernmaterialien beisteuern sowie nützliche Rückmeldungen erhalten, was wiederum den Lernprozess erleichtern bzw. verkürzen kann.

Optimale Studienergebnisse durch Adaptives Lernen

Ein weiterer didaktischer Vorzug ergibt sich aus der Big-Data-Technologie. Die neuen informationstechnologischen Möglichkeiten zur Sammlung, Verarbeitung und Auswertung großer Datenmengen schaffen Freiräume für adaptives Lernen. Beim adaptiven Lernen geht es darum, individuelle Bedürfnisse und Vorwissen von Lernenden im Lehr- und Lernprozess zu berücksichtigen, indem die einzelnen Lernstufen dem Lernniveau und der Motivation der Lernenden angepasst werden. Die Grundidee besteht darin, mittels entsprechender Software bereits erfasste Daten zu analysieren mit dem Ziel, den Lernenden individuell zugeschnittene Lerninhalte zur Verfügung zu stellen. Eine derartige Software ermöglicht es beispielsweise, aus einer Vielzahl von angebotenen Lehrveranstaltungen passende Kurse zu empfehlen und die Wahrscheinlichkeit des Bestehens eines Kurses auszurechnen. Die Kursempfehlungen basieren dabei auf einem Vergleich bereits belegter Lehrveranstaltungen und Prüfungen mit den Leistungen und Ergebnissen früherer Studierender. Auf diese Weise können Algorithmen dazu dienen, den individuellen Lernerfolg sicherzustellen.

Didaktik 4.0 als größte Herausforderung für die Digitalisierung der Hochschulbildung

Trotz der vielfältigen technischen Vorteile, die Bildung 4.0 bietet, besteht eine der größten zu bewältigenden Herausforderungen im Zusammenhang mit digitalisierter (Hochschul-) Bildung darin, die herkömmliche Didaktik an die digitale Technik anzupassen. Schließlich reicht es nicht aus, Lerninhalte bloß auf einfacheren und innovativeren Wegen bereitzustellen. Wissen ist kein Prozess, bei dem – in welcher medialer Form auch immer – vorgefertigtes Wissen weitergegeben oder transferiert wird. Vielmehr ist Wissen bzw. Lernen ein Konstruktionsprozess, der eine aktive kognitive Leistung seitens der Lernenden verlangt. Zwar ist es richtig, dass interaktives kollaboratives Lernen in Lerngruppen eine gewünschte didaktische Wirkung entfalten kann. Doch unbedingte Voraussetzung für das Gelingen solcher Lernprozesse ist eine ausgeprägte Medienkompetenz seitens der Lernenden. Studierende müssen in der Lage sein, Wissensquellen angemessen zu bewerten und einzuordnen sowie mit digitalen Medien kritisch umzugehen. Dies gilt umso mehr angesichts einer zunehmend öffentlicheren Lehre sowie einer zunehmend privatisierten akademischen Ausbildung. Es gilt zu unterscheiden lernen, welche Inhalte qualitativ angemessen und ausbildungstechnisch sinnvoll sind und welche nicht. Die Grundlagen hierfür sind schon im frühen Schulalter zu schaffen.

Medienkompetenz alleine ist allerdings nicht ausreichend. Gänzlich ohne Lehrpersonal wird es aller Voraussicht nach auch an der Hochschule 4.0 nicht gehen. Hierfür spricht nicht zuletzt die hohe Abbruchquote bei den (teils kostenlosen) öffentlich zugänglichen Online-Kursen. Die Komplexität und Vielfalt digitaler Lernangebote erfordert zudem persönliche Beratung und Betreuung – etwas, das keine Software zu leisten vermag. Wesentliche Faktoren für den Studienerfolg in Zeiten digitalisierter Bildung sind somit Medienkompetenz und gekonntes Wissensmanagement einerseits sowie kompetentes Mentoring und Coaching andererseits. Gemeinsam können sie sicherstellen, dass die Lernenden am Ende ihres Studiums über die notwendigen Fähigkeiten verfügen, die sie im Berufsleben gewinnbringend anwenden können.

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