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Bildung für alle! Strategien für mehr Vielfältigkeit und Chancengleichheit an deutschen Hochschulen

Auch die Hochschulbildung in Deutschland bleibt nicht von dem Problem der Ungleichheit und Diskriminierung unberührt, sei es gegenüber Studierenden oder Hochschulen in den Randgebieten des Landes. So werden zum Beispiel manche junge Menschen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft oder körperlichen Beeinträchtigungen daran gehindert, integrierten Studentengemeinschaften beizutreten. Ausländer haben es oft schwer, eine Studentenunterkunft zu finden und können sich nicht für Studiengänge bewerben, die bestimmte Deutsch- oder Englischkenntnisse voraussetzen. Behinderte haben vielfach nicht die Möglichkeit, an Vorlesungen teilzunehmen, weil die entsprechenden Einrichtungen nicht vorhanden sind. Gleichwohl wollen viele etwas verändern, indem sie Organisationen bilden, die die Diskriminierung von Minderheiten an Hochschulen begrenzen. Die bestehende Spaltung unter Studierenden veranlasst Hochschulen dazu, Strategien zur Erzeugung von mehr Vielfalt und Gleichheit anzuwenden und so eine positivere Umgebung für Minderheiten zu schaffen. Diese positive Strategien zur Bekämpfung von Ungleichheit unter Studierenden stehen im Vordergrund dieses Artikels. Ebenso wird die Diskriminierung von Hochschulen in Deutschlands Randgebieten behandelt (welche durch den stärkeren Einfluss der beliebteren Hochschulen in den größeren Städten bedingt ist).

Education for all! Strategies for more diversity and equal opportunities at higher education institutions in Germany

Das Problem der Ungleicheit und Diskriminierung im Bereich der Hochschulbildung

Ungleichheit und Diskrimierung von Minderheiten an Hochschulen besteht in verschiedenen Formen. Sie tritt beispielsweise auf, wenn Hochschulen behinderten Studierenden nicht die nötigen Sondereinrichtungen bieten oder wenn Sprachbarrieren vorherrschen, die Personen aus dem Ausland davon abhalten, ein bestimmtes Studium aufzunehmen. Was Homophobie und den Umgang mit homosexuellen oder Transgender-Kommilitonen betrifft, so ist zu konstatieren, dass deutsche Hochschulen sich noch weiter entwickeln müssen, bis Geschlechtergleichheit etabliert ist. Denn immer noch sind negative Haltungen gegenüber derartigen Minderheitsgruppen an den Hochschulen vorzufinden. Seit jeher spielen Religion und traditionelle Werte eine bedeutende Rolle für die Denkweise junger Erwachsener in dieser Hinsicht. Jedoch haben sich Studentengemeinschaften gebildet, deren Ziel darin besteht, Lösungen für dieses Problem zu finden, indem sie verschiedene Diskussionen und Debatten zu diesem Thema organisieren. Die Hochschulen haben hingegen immer noch keine bedeutenden Veränderungen umgesetzt, um das Bildungsumfeld für diese Minderheiten angemessener gestalten. All dies führt dazu, dass sich Minderheitsgruppen von den Hochschulen im Land lösen.

 

Probleme und Chancen, die ausländische und behinderte Studierende in Deutschland begegnen

Deutschland arbeitet seit Jahren daran, das Leben von Minderheitsgruppen zu verbessern. Im Jahre 2009 wurde das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen unterzeichnet, mit dem die Einführung einiger Veränderungen im deutschen Bildungssystem einhergeht (erneuerte Einrichtungen, verbesserte Studienpläne, neue Studentenorganisationen sowie eine Reihe von zusätzlichen Verwaltungsdiensten). Dies hat viel zur Verbesserung des Lebens von ausländischen und behinderten Studierenden beigetragen. Dennoch gibt es weiterhin noch einige Dinge, die diesen Minderheiten nicht dienlich sind. Im Folgenden seien manche dieser negativen Aspekte, die immer noch die Entwicklung eines insgesamt positiven Umfelds an Hochschulen in der Bundesrepublik beeinträchtigen, aufgeführt.

 

Getrennte Klassenräume

In manchen Teilen der Bundesrepublik gibt es getrennte Klassen für gebürtige Deutsche und Ausländern. Der Grund für diese Trennung ist der Unterschied zwischen den Deutschkenntnissen von Einheimischen und Auslandsstudierenden. Experten zufolge geht damit eine Reihe negativer Konsequenzen einher, wie Anfeindungen und Abgrenzung von Studierenden sowie weniger Kommunikation und Teamarbeit. Mögliche Gegenmaßnahmen für solche Situationen sind zusätzliche Kurse, damit Auslandsstudierende in Bezug auf Sprachkenntnisse ihren Horizont erweitern können. Auf diese Weise könnten sie am Unterricht der anderen Studierenden teilnehmen und eine freundliche Gemeinschaft pflegen. Hinzu kommt eine weitere Option, mit dem Problem umzugehen, und zwar durch die Etablierung zusätzlichen Unterrichts in anderen populären Sprachen neben Deutsch und Englisch. Eine solche Veränderung setzt zwar das Einstellen neuer Lehrkräfte voraus und wird einige Änderungen in den Studienprogrammen mit sich bringen, doch sie stellt auch einen großen Vorzug dar für viele, die sich diskriminiert fühlen. Diese Aussage wird durch die Tatsache gestützt, dass ein Großteil der heutigen Studierenden in Deutschland aus dem Ausland kommen und daher viele verschiedene Sprachen sprechen (u.a. Türkisch, Polnisch, Russisch, Arabisch).

 

Mangel an Toleranzvorbereitung in Schulen

Ein weiterer Nachteil besteht in dem Umstand, dass das Umfeld an Gymnasien bisweilen die jungen Erwachsenen nicht genügend darauf vorbereitet, toleranter zu sein. Dies begünstigt eine negative Einstellung gegenüber Studierenden, die als anders angesehen werden. Tatsächlich unterschätzt man oft die Bedeutung des Weichen, die das Umfeld einer Schule im Kopf von Schülern stellen kann. Bringt man ihnen schon in jungen Jahren bei, offener zu sein, dann gewöhnen sie sich daran, ihre Mitschüler beziehungsweise Kommilitonen zu akzeptieren und dazu beizutragen, ein besseres Hochschulumfeld in Zukunft zu schaffen.

 

Erschwingliche Unterkünfte sind schwierig zu finden

Des Weiteren haben Auslandsstudierende oft damit zu kämpfen, eine erschwingliche Unterkunft zu finden, da die Hochschulen sie über die Zulassung erst ein bis zwei Monate vor Semesterbeginn informieren. Daher bleibt ihnen nicht genügend Zeit, um nach einer schönen und bezahlbaren Unterkunft zu suchen. Nach einer gewissen Zeit wird es sogar noch schwieriger, da fast jede Unterbringungsmöglichkeit bereits von den lokalen Studierenden genutzt wird. Für derartige Fälle sollten die Hochschulen in Deutschland neue Strategien einsetzen, um die Wohnoptionen für Auslandsstudierende zu vergrößern.

 

Was hat Deutschand bisher hinsichtlich der Schaffung gleicher Möglichkeiten für Studierende erreicht?

Nachdem nun einige Hindernisse beschrieben wurden, die Minderheiten auf dem Weg zu einem erfolgreichen Abschluss begegnen können, ist es jetzt ander Zeit, um die guten Aspekte der deutschen Hochschulbildung herauszustellen, die darauf abzielen, Auslandsstudierende und Studierende mit besonderen Bedürfnissen zu unterstützen. Es folgen einige Beispiele für erfolgreiche Bemühungen, Minderheiten das Leben zu erleichtern.

 

Keine Studiengebühren

Einer der größten Vorteile, die Studierende an staatlichen Hochschulen genießen, ist, dass es keine Studiengebühren gibt. Damit wird eine beträchtliche Last weggenommen und es auch Studierenden niedriger sozialer Schichten ermöglicht, ein Studium zu beginnen, mehr Geld zu sparen und sich eine orgentliche Unterkunft zu leisten. Gleichwohl sollten Studierende stets verantwortungsbewusst mit ihren Finanzen umgehen und ihre monatlichen Zahlungen im Voraus planen. Ebenfalls berücksichtigt werden sollte, dass diejenigen, die immer noch nicht imstande sein sollten, für ihre Lebenshaltungskosten in größeren Städten aufzukommen, vermutlich gut beraten sind, in eine kleinere Stadt zu ziehen. Städte, die nicht so groß sind, erleichtern es Auslandsstudierenden, sich an die Umgebung anzupassen und schnell neue Freunde zu finden. Außerdem bieten die Hochschulen dort eine solidarischere Gemeinschaft im Vergleich zu Hochschulen in Ballungsstädten.

 

Buddy-System für Auslandsstudierende

Wenn es darum geht, Einheimische kennenzulernen und sich an die junge Community in der Region anzupassen, dann können sich Auslandsstudierende auch auf lokale Studierende verlassen, die an Organisationen teilnehmen, welche Personen aus dem Ausland unterstützen. Das Erasmus Student Network (ESN) verfügt über ein “Buddy- System”, das Ausländer die Möglichkeit gibt, sich von einem lokalen Studierenden beraten zu lassen, der bereit ist, seine Erfahrungen mit ihnen zu teilen und sie in der neuen Stadt herumzuführen. Buddy-Systeme sind eine großartige Strategie, um internationale Studierende besser zu integrieren. Sie tragen überdies zu der Entwicklung der jungen multikulturellen Gesellschat im Land bei.

 

Viefältigere englischsprachige Studiengänge

Obzwar es Bedarf an Studiengängen in Sprachen neben Deutsch und Englisch gibt, so stimmt es auch, dass immer noch ein beträchtlicher Teil der Auslandsstudierenden in der Bundesrepublik sich auf ihre Englischkenntnisse stützt, um ihren Traumstudiengang zu belegen. Dieser Umstand bekräftigt die Einführung von immer mehr englischsprachigen Studiengängen. Da ausländischen Studierenden viele verschiedene Studiengänge zur Auswahl stehen, können sie sich hierzu speziell vom Akademischen Auslandsamt der jeweiligen Hochschule beraten lassen. Statistiken zeigen, dass die beliebtesten Studiengänge unter Auslandsstudierenden aus den Bereichen Mathematik, Ingenieurwesen und Gesundheitswissenschaften[1] stammen.

 

Sondereinrichtungen und zusätzliche Hilfe für behinderte Studierende

Eine zunehmende Anzahl deutscher Hochschulen baut neue Einrichtungen für Studierende mit besonderen Bedürfnissen und etabliert verschiedene Jugendgemeinschaften, die behinderten jungen Erwachsenen behilflich sind. Was benachteiligte Studierende vorab tun sollten, ist, Hochschulvertreter über ihre besonderen Bedürfnisse zu informieren. Sie können Hilfe erhalten, was Unterkunft, Barrierefreiheit, Umstellung des Studienprogramms sowie akademische Anspassungen betrifft. Ebenso können sie sich jederzeit an das Deutsche Studentenwerk wenden – ein gut etabliertes Netzwerk von nicht-gewinnorientierten Organisationen, die in Studienangelegenheiten beraten und unterstützen. Dieses Netzwerk zielt darauf ab, die am häufigsten auftretenden Probleme von Studierenden zu identifizieren und zu lösen. Es gliedert sich in verschiedene kleinere Gruppen, wobei jede für eine Reihe von Hochschulen in einem bestimmten Gebiet zuständig ist.

Im Jahre 2009 führte die Hochschulrektorenkonferenz die Forderung “Hochschulbildung für alle” ein, die für Nicht-Diskriminierung und gleiche Behandlung von benachteiligten Studierenden eintritt. Sie gilt auch für Ausländer, insofern diese in der Lage sein sollen, an Lehrveranstaltungen unter den gleichen Bedingungen teilzunehmen wie jeder andere Studierende auch. Es gibt aber noch ein weiteres großartiges Beispiel für Entwicklung im Bildungsbereich. Gemeint ist die Einführung verschiedener e-learning-Kurse, die behinderten Studierenden ermöglichen, Vorlesungen zu besuchen, ohne physisch anwesend sein zu müssen. Sie fördern ein Lernstudium und stellen eine der innovativsten Strategien der Hochschulen von heute dar.

Auch sollten noch zwei weitere positive Aspekte der Hochschulbildung in Bezug auf benachteiligte Studierende Erwähnung finden. Der erste ist, dass Hochschulen Stipendien für Studierende mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten bereitstellen. Der zweite Aspekt ist, dass nachdem der Nachweis des Vorhandenseins besonderer Bedürfnisse erbracht wurde, Bewerbungen von Behinderten für ein Zimmer im Studentenwohnheim Vorrang gewährt wird. Dadurch erhöhen sich ihre Chancen, ein Zimmer zu erhalten.

 

Die Frankfurt University of Applied Sciences – ein Vorbild in Sachen Toleranz und Gleichheit

Ein herausragendes Beispiel für eine Hochschule, die für Chancengleicheit ihrer Studierenden eintritt, ist die Frankfurt University of Applied Sciences*[2]. Sie bekämpft Diskriminierung an Hochschulen und wendet verschiedene Strategien an, um Minderheiten zu helfen. Die soziale Verantwortung steht hier im Vordergrund, ebenso wie die Erfolgschancen eines jeden Studierenden ohne jedes Vorurteil. Mehr als die Hälfte der Studierenden an der Frankfurt University of Applied Sciences sind Ausländer, worin einer der Gründe liegt, weshalb sie nach vollständiger Gleichheit strebt. Ihre Werte werden getragen von vier wesentlichen strategischen Leitlinien: “Internationalität und kulturelle Vielfalt”, “Lebenslanges Lernen”, “innovative, offene Aufnahmen und ein ganzheitliches Verständnis von Bildung” sowie “Entwicklungspartnerschaften”. Aufgrund ihres Standortes in Frankfurt (eine der multikulturellsten Städte in Deutschland) repräsentiert die Hochschule Studierende aus vielen verschiedenen Nationen. Vor diesem Hintergrund fördert sie Vielfalt und spezielle Initiativen, wie die Vielfaltsstrategie “Chancen durch Bildung”, die zu dem positiven Studentenumfeld beitragen. Frankfurt University of Applied Sciences ist ein hervorragendes Beispiel für eine Hochschule, die dem Umstand Rechnung trägt, dass viele ihrer Studierenden verschiedene Sprachen sprechen. Dies erfolgt in dem Programm “Herkunftssprachen”, an dem zahlreiche Ausländer teilnehmen, die Persisch, Russisch, Arabisch, Polnisch oder Türkisch sprechen. Darüber hinaus gibt es die Sonderinitiative “Willkommensjahr für Flüchtlinge”, die Flüchtlingen anbietet, ein intensives Studium zu beginnen oder, falls ihr Studium in ihrem Herkunfstland unterbrochen wurde, dieses oder ein ähnliches Studium fortzuführen.

Überdies bietet die Frankfurt University of Applied Sciences Sprachkurse für Ausländer an, die ihnen helfen, ihre mündlichen wie schriftlichen Kenntisse zu verbessern. Durch den Besuch von Lehrveranstaltungen erweitern sie ihre Kenntnisse über die deutsche Kultur und Geschichte. Mit ihrer Konzentration auf Vielfalt setzt sich die Frankfurt University of Applied Sciences zum Ziel, ein Vorbild moderner Hochschulen zu werden, die Gleichheit unter Studierenden fördert.

 

Diskriminierung gegen Hochschulen in Randgebieten

Es ist kein Geheimnis, dass Hochschulen bisweilen wegen ihrer Lage unterschätzt werden. Hochschulen in Deutschlands Randgebieten erleiden oft Diskrimierung, insofern sie für viele ganz unten auf der Liste einer qualitativen Hochschulbildung stehen. Erwähnenswert ist, dass derartige Hochschulen häufig nicht im zentralen Geltungsbereich des Staates liegen. Mit anderen Worten: Sie erhalten in der Regel nicht die nötige finanzielle Unterstützung und werden selten erneuert. Hinzu kommt, dass ein Mangel an neuen Einrichtungen und einer innovativeren Umgebung besteht.

 

Gleichwohl gibt es einige großartige Beispiele für sehr erfolgreiche Hochschulen, die sich nicht in den beliebtesten Gebieten im Land befinden. Ein gutes Beispiel ist die Jacobs University in Bremen*[3]. Sie ist eine der kleinsten Hochschulen in Deutschland, was aber nicht ihrem Fortschritt entgegensteht. Zudem ist die Jacobs University ein Zentrum für internationale Studierende, da sich viele Ausländer für sie wegen ihres dichten Studentenumfeldes entscheiden. Studierende aus über 110 Ländern sind in Studiengängen in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften*[4] eingeschrieben. Hunderte von Studierenden machen jedes Jahr an der Jacobs University ihren Abschluss und werden erfolgreiche Fachleute. Dies beweist, dass es für eine Hochschule nicht so entscheidend ist, in einer beliebten Stadt angesiedelt zu sein, sondern dass es der Zusammenhalt in der Gemeinschaft und der gemeinsame Fortschritt sind, die alle vorwärtsbringen.

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