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Das Paradox in der deutschen Bildung: Warum Deutschland Studierende aus dem Ausland benötigt, aber nicht genug tut, um sie zu integrieren

Deutschland benötigt dringend internationale Studierende, doch dem Land fehlt die Strategie, um sie besser zu integrieren. Welchen Herausforderungen begegnen Auslandsstudierende in Deutschland und was kann die deutsche Regierung dagegen tun?


In der akademischen Welt ist eine Kontroverse entfacht worden, nachdem die neuesten offiziellen Immatrikulationsdaten von Studierenden an deutschen Hochschulen zeigten, dass nur fast 20% der Gesamtanzahl der Studierenden im Land aus dem Ausland stammen. Zwar hat diese Zahl im Laufe der Jahre allmählich zugenommen, doch in 2020 begegneten internationale Studierende einer neuen Herausforderung, insofern wegen des Covid-19-Ausbruchs ihre Studentenvisa um über sechs Monate verzögert wurden. Von diesem Problem abgesehen begegnen Studierende noch einigen anderen Probleme im weiteren Studienverlauf. Dieser Artikel befasst sich damit, weshalb Deutschland Auslandsstudierende benötigt, und erörtert die verschiedenen Problemaspekte, die sich in Zusammenhang mit diesem Phänomen ergeben.

 

Warum benötigt Deutschland internationale Studierende?

Internationale Studierende sind für Deutschland vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht ziemlich wichtig. Wie jedes anderes Land benötigt auch der deutsche Arbeitsmarkt hochqualifizierte und gut ausgebildete Fachkräfte, die sich leider nicht nur im eigenen Land finden lassen. Obgleich Deutschland in den letzten Jahren seine Popularität bei Auslandsstudierenden durchaus vermehrt hat, mangelt es dem Land immer noch an einer guten Strategie, um sie besser in die Gesellschaft zu integieren. Hinzu kommt, dass die deutsche Bevölkerung laut dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Laufe der nächsten 15 Jahre um durchschnittlich 15% schrumpfen wird – in manchen Gebieten wie Westdeutschland sogar bis zu 25%. Dies wird sich auch auf Studierende auswirken, verzeichnen doch die Statistiken bereits jetzt einen Rückgang der Zahl an Studierenden, die an deutschen Hochschulen eingeschrieben sind. Ein weiterer Grund, auf welchen Dr. Ursula Egyptien, Marketingleiterin beim DAAD hinweist, liegt in dem Umstand, dass auch die Deutschen wertvolle Einsichten und Erfahrungen von anderen Ländern und Kulturen gewinnen können. Durch die Interkation mit Auslandsstudierenden können deutsche Bürger mehr über andere Kulturen erfahren und ein Interesse sowie einen Orientierungspunkt für ein neues Leben und für Berufschancen außerhalb von Deutschland erlangen. Offenheit und Toleranz gegenüber Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund funktioniert in der Tat und wird allmählich von immer mehr Menschen in Deutschland als Konzept angenommen. Dennoch beklagen sich internationale Studierende über ihre Erfahrungen in Deutschland und die Art und Weise, wie sie in die Gesellschaft integriert wurden. Des Weiteren hat Deutschland internationale Studierende kürzlich vor noch weitere Herausforderungen gestellt, nämlich durch den Mangel an geeigneten Maßnahmen und Studentenvisa inmitten der Covid-19-Krise. Infolgedessen ergibt sich die Frage, wieso die Regierung, obwohl sie internationale Studierende benötigt, nicht genug unternimmt, um ihnen entsprechend entgegenzukommen und ihnen ihren Aufenthalt in Deutschland weiter zu erleichtern. Nachstehend werfen wir einen Blick auf einige der Probleme, die internationale Studierende im Laufe der Jahre berichtet haben.

 

Verweigerung von Visa inmitten des Corona-Ausbruchs

Beginnen wir mit einem der neuesten Probleme, von dem zahlreiche Auslandsstudierende berichtet haben und das die Situation mit den Studentenvisa inmitten der Pandemie betrifft. Nach dem Ausbruch von Covid-19 im März letzten Jahres verschlossen die deutschen Botschaften und Visazentren weltweit ihre Türen und nahmen aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen fast keine Visabeantragungs-Termine mehr an. Viele Studierende waren Druck und Unsicherheit ausgesetzt, da keiner von ihnen wusste, was aus ihrem Studium wird. Die Lage spitzte sich sogar noch zu, insofern die deutschen Botschaften nach sieben Monaten ihren Betrieb nicht wiederaufgenommen hatten und auch keine Angaben darüber machten, wann sie wegen neuer Termine wieder öffnen würden. Viele frustrierte Studierende aus Ländern wie Iran, Mexiko, Nigeria, Indien, Kolumbien, Bangladesch und der Turkei beklagten sich anschließend in den sozialen Medien über die fehlende Organisation seitens der deutschen Botschaften und starteten eine Kampagne unter dem Hashtag #EducationIsNotTourism. Die Initiative verfolgte das Ziel, dem deutschen Außenministerium eine Nachricht zu übermitteln und die Botschaften bzw. Botschafter aufzufordern, mehr Klarheit zu schaffen sowie eine angemessene Antwort auf die Probleme mit den Visabeantragungsterminen zu liefern.

Auch wenn diese Kampagne für einige Studierende tatsächlich funktionierte, standen andere trotz der zahlreichen Tweets und E-Mails mit leeren Händen da. Infolgedessen mussten viele Studierende beträchtliche Opfer in ihrem Leben erbringen, insofern sie ihre aktuellen Jobs aufgegeben hatten in der Hoffnung, dass sie bald in Deutschland studieren würden. Ganz zu schweigen von den finanziellen Verlusten, die sie mit den teuren Sprachzertifikaten erlitten, die manche Hochschulen verlangen, oder dem Geld, das sie auf Bankkonten hinterlegen mussten, um der deutschen Regierung nachzuweisen, dass sie in der Lage sein würden, ihren Lebensunterhalt während des Studiums zu bestreiten. All dies zusammen verursacht ein großes Maß an Beklemmung und Stress und hält Auslandsstudierende zudem davon ab, Deutschland als Studienort für ihr weiteres Studium in Erwägung zu ziehen.

 

Herausforderungen, denen internationale Studierende vor und nach ihrer Ankunft in Deutschland begegnen

  • Sprachbarriere

Ein weiteres Problem, auf das oft von den meisten internationalen Studierenden, die sich für Deutschland als Studienort entschieden haben, verwiesen wird, ist die Sprachbarriere. Obwohl Englisch in der Mehrheit der größeren Städte gesprochen wird, gibt es immer noch viele kleinere Städte, in denen neu angekommene Studierende Deutsch lernen müssen, um sich schneller an die unbekannte Umgebung anzupassen. In der Regel bieten die Hochschulen Sprachkurse an, aber die Sprache erweist sich als recht schwierig zu lernen, insbesondere in so kurzer Zeit. In der Folge berichten rund 30% der internationalen Studierenden in Deutschland, dass sie große Schwierigkeiten haben, Deutsch zu lernen bzw. sich in Deutsch zu verständigen. Noch größere Probleme ergeben sich für Auslandsstudierende, wenn sie wichtige Dokumente hinsichtlich ihrer Ausbildung und ihres Lebens in Deutschland lesen bzw. ausfüllen müssen. Zwar bieten die meisten Hochschulen zusätzliche Betreuung für Studierende an, die eventuell weiteren Klärungsbedarf bei Unterlagen oder deutschen Verfahren haben, doch kann es etwas frustrierend sein, jedes Mal jemanden um Hilfe zu bitten, wenn etwas unklar ist. Diejenigen internationalen Studierenden, die entweder der deutschen Sprache mächtig sind oder bereits einige Grundkenntnisse besitzen, berichten, dass sie weniger Probleme haben, was die Integration in die Gesellschaft, das Finden von Arbeit oder das Schließen neuer Freundschaften angeht.

 

  • Unterkunft

Das Finden einer Unterkunft gehört auch zu den von internationalen Studierenden genannten Herausforderungen. Gemäß der allgemeinen Vorgehensweise ist es bei den meisten Studentenwohnheimen im Land Voraussetzung, dass sich die Studierenden wegen der begrenzten Verfügbarkeit vorab bewerben, um sich einen Platz zu sichern. Damit bleibt vielen Studierenden nichts anderes übrig, als eine Unterkunft auf dem privaten Wohnungsmarkt in ihrer Studienstadt zu suchen. Ein noch größeres Problem ergibt sich daraus, dass Studierende den Nachweis ihrer Adresse vorlegen müssen, um ein Bankkonto eröffnen oder eine Anmeldebescheinigung beantragen zu können. Zusammen mit der Sprachbarriere kann dies eine sehr unangenehme Erfahrung für internationale Studierende schaffen, die bereits über genug Sachen nachzudenken haben, wenn man bedenkt, dass sie ein neues Leben in einem fremden Land beginnen werden.

 

  • Die deutsche Bürokratie

Die deutsche Bürokratie ist wahrscheinlich der am häufigsten erwähnte Aspekt bei Studierenden, die das erste Mal nach Deutschland kommen. Die übermäßige Menge an Formalitäten, mit der sich ein Studierender auseinandersetzen muss, macht den Bewerbungsprozess zu einer unangenehmen Erfahrung. Zu den häufigsten Problemen, denen internationale Studierende begegnen, gehört die Zeit, die sie benötigen, um mit Dienstleistern zu kommunizieren, da alles per Briefpost versandt wird, was sich als sehr langsamer und zeitaufwendiger Prozess erweist. Auch hier tritt die Sprachbarriere wieder zutage, insofern alle wichtigen auszufüllenden Dokumente in deutscher Sprache sind. Die Registrierung für eine Adresse oder die Verlängerung eines Visums ist eine weitere Herausforderung, denen Auslandsstudierende während ihres Aufenthalts in Deutschland begegnen können, da das System vorsieht, dass jeder einen Termin für diese Dienstleistungen im Voraus buchen muss. Wer dringend einen Termin benötigt, muss stundenlang in der Schlange stehen, um das jeweilige Büro zu erreichen.

Fest steht, dass die deutsche Regierung sich ernsthaft mit all diesen Problempunkten befassen sowie eine bessere Organisation zur Internationalisierung an deutschen Hochschulen und in deutschen Städten planen muss, zumal viele der von Auslandsstudierenden genannten Schwierigkeiten sich nach ihrer Ankunft im Land ergeben. Auch wenn Deutschlands Reputation dank der hervorragenden Weltklasse-Programme in den letzten Jahren gestiegen ist, muss die Regierung einen besseren Plan ausarbeiten, der sich auf die Integration internationaler Studierender in die Gesellschaft konzentriert und auf diese Weise das Verhältnis von Studierenden aus den unterschiedlichen Orten der Welt erhöht.

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