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Universitäten im Corona-Ausnahmezustand: Digitalisieren oder kapitulieren?

Das Coronavirus (auch COVID-19 genannt) ist ein Infektionserreger, der sich auf die Atemwege und Lungen auswirkt und die Ursache für die gegenwärtige Pandemie ist, von der 151 Länder betroffen sind. Viele der Patienten sind ältere Menschen und solche mit chronischen Krankheiten. Aufgrund der Pandemie haben Länder wie Deutschland, Österreich und die Schweiz drastische Maßnahmen engeleitet, welche sich wiederum auf die Hochschulen in Bezug auf die Lehre, Verwaltung und Forschung ausgewirken, indem etwa Vorlesungen eingestellt und Veranstaltungen verschoben worden sind. Die Hochschulen können diese Probleme jedoch über die Nutzung digitaler Alternativen ausgleichen. In diesem Artikel wird ein kompakter Überblick darüber gegeben, welche Auswirkungen das Coronavirus für Hochschulen hat, welche Aspekte der Lehre und Organisation digitalisiert werden können und welche vorhandenen Alternativen Berücksichtigung finden.

Universities‘ coronavirus state of emergency: digitize or surrender?

Der Einfluss des Coronavirus auf die Hochschulen

Aufgrund des hoch ansteckenden Charakters von COVID-19 haben zahlreiche Länder in Europa, darunter auch der deutschsprachige Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) mehrere Einschränkungen im Rahmen der Präventivmaßnahmen erlassen. Hierzu gehören das Versammlungsverbot sowie ein Mindestabstand zu anderen Personen von circa zwei Metern. Infolge dieser Einschränkungen haben die Hochschulen im deutschsprachigen Raum mehrere Vorsichtsmaßnahmen eingeführt, darunter das Verbot beziehungsweise die Verschiebung von Vor-Ort-Vorlesungen und -Lehrveranstaltungen bis zum Beginn der Schulferien sowie Heimarbeit für die Mehrheit des Personals. Um die Verbreitung von COVID-19 zu verhindern, sind sämtliche nicht-notwendigen Termine abgesagt worden oder finden aus der Ferne statt. Überdies sollen Bibliotheken, Cafeterias sowie Forschungseinrichtungen entweder zu kürzeren Öffnungszeiten arbeiten oder bis auf Weiteres schließen. Änhliche Maßnahmen gelten für Sporthallen und Computerzentren. Des Weiteren wurden sämtliche Personalreisen abgesagt beziehungsweise verschoben. Auch werden alle Angestellten, Studierenden und Gasthörer, die aus Gebieten zurückkehren, welche von COVID-19 betroffen sind, dazu aufgefordert, zu Hause zu bleiben, über einen Zeitraum von zwei Wochen auf Symptome zu achten und bei Auftreten von Symptomen ihren Arzt zu konsultieren. Dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) zufolge werden einzelne Stipendien für das Studium in Deutschland im Sommersemester 2020 nicht verfügbar sein. Studierende, die ihr Stipendium bereits erhalten haben, können aufgrund der Reiseeinschränkungen nicht in ihr Heimatland zurückkehren; sie können eine Verlängerung ihres Stipendiums bis zur Aufhebung der Einschränkung beantragen. Gleiches wird Erasmus-Studierenden angeraten, die sich dazu entschlossen haben, in ihr Heimatland zurückzukehren mit der Option, die Reisekosten erstattet zu bekommen.

 

Jede Hochschule im deutschsprachigen Raum hat diese oder andere Maßnahmen in unterschiedlichem Maße eingeführt, je nach Standort und Schwere der im Land umgesetzten Präventionsmaßnahmen. Beispielsweise haben die Hochschulen in Österreich und der Schweiz aufgrund der Pandemie bis auf Weiteres vollständig geschlossen. Ähnlich ist die Lage in Bayern, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Berlin, wobei nur ausgewählte Hochschulen wie die Universität Heidelberg zugemacht haben. Gleichwohl halten sich die meisten Hochschulen an eine moderate Form der sozialen Distanz, indem sie die vorgenannten Maßnahmen befolgen. Hierzu zählen zum Beispiel die GISMA Business School, die Berlin School of Business and Innovation, die Technische Universität München, die Freie Universität Berlin, die Universität Göttingen sowie die Duale Hochschule Baden-Württemberg. Zu beachten ist allerdings, dass aufgrund der ständigen Weiterentwicklung der Pandemie und der sich entsprechend ändernden Lagen innerhalb der betroffenen Länder noch weitere Hochschulen möglicherweise zumachen oder die Präventionsmaßnahmen verschärfen werden. Ungeachtet der Strenge der Präventionsmaßnahmen sind Hochschulen tendenziell schwer betroffen, insofern die Pandemie unerwünschte Rückschläge für das Personal und die Studierenden verursacht. Besonders betroffen sind Studierende, für die die Präventionsmaßnahmen Unnannehmlichkeiten hinsichtlich Studium und Credits mit sich bringen.

 

Digitalisierung der Hochschulaktivitäten: eine sichere Alternative

Infolge der Pandemie und der Präventionsmaßnahmen, die verschiedene Länder wie Deutschland, Österreich und die Schweiz unternommen haben, muss eine sichere aber zugleich effektive Alternative geschaffen werden. An zahlreichen Hochschulen erfolgt diese Alternative in der Form, dass man so viel wie möglich von den Aktivitäten hinsichtlich Studium und Verwaltung digitalisiert. In diesem Zusammenhang kommen unterschiedliche digitale Mittel zum Einsatz. Vor der Umsetzung dieser Mittel gilt es grundsätzlich, zunächst einige wesentliche Faktoren zu berücksichtigen.

 

Wichtige zu berücksichtigende Faktoren beim Einsatz digitaler Alternativen

Digitale Alternativen können sich insbesondere in Zeiten der Isolierung lohnen, doch es kommt auf eine vernünftige Umsetzung an. Daher müssen mehrere Schlüsselfaktoren angemessen berücksichtigt werden. Zu den Faktoren, denen Rechnung getragen werden muss, um benachteiligenden Rückschlägen für das Personal und die Studierenden vorzubeugen, zählen das gewünschte Ergebnis, die Effizienz der digitalen Plattform zur Erreichung des gewünschten Ergebnisses, Finanzierbarkeit, Grenzen der Plattform, Grad der Interaktivität und Einbindung sowie Einfachheit des Designs.

 

Bei der Frage, ob eine oder mehrere Plattformen zur Erreichung der Hochschul-Aufgabe geeignet sind, sollte das gewünschte Ergebnis der erste zu berücksichtende Faktor sein, wozu insbesondere auch die Zielgruppe gehört, die die Plattform nutzen wird sowie das Ziel, das erreicht werden soll. Wenn zum Beispiel eine bestimmte Anwendung von Studierenden genutzt werden soll, sollte die Hochschule berücksichtigen, ob das Programm der Vermittlung von Wissen dient oder bei Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Bewältigung von Bürokratie unterstützt, etwa bei Anträgen zur Zulassung. Sobald das gewünschte Ergebnis festgelegt wurde, sollte danach die Einfachheit des Designs bestimmt werden. In dieser Hinsicht ist es wichtig, die Funktionsfähigkeit der Plattform zu überprüfen, einschließlich Navigationsfähigkeit und Nutzerfreundlichkeit. Je einfacher und effizienter das Design der betreffenden Plattform ist, desto weniger verwirrend und lohnender ist die Anwendung. Sobald die Einfachheit des Designs überprüft wurde, sollte das Augenmerk auf die Grenzen der untersuchten Plattform gelegt werden. Beispielsweise sollte der Frage, ob die Anwendung sämtliche Bedürfnisse erfüllen kann und in welchem Maße jedem der gewünschten Ergebnisse entsprochen wird, sorgfältig nachgegangen werden. Hierzu sollten mehrere Versuche durchgeführt werden, wozu auch zählt, dass man das Programm tägliche Aufgaben erledigen lässt wie Berechnung von Prüfungsergebnissen, Organisierung von Veranstaltungen etc.

 

Was die Auswahl von Plattformen zur Wissensvermittlung angeht, sollte besonders auf den Grad der Interaktivität und Einbindung geachtet werden. Schießlich muss bei der Berücksichtigung einer Plattform der Finanzierbarkeit Rechnung getragen werden. Hierzu gehört, ob die Plattform kostenlos nutzbar ist oder eine kostenpflichtige Anmeldung erfordert und welche Funktionen sie enthält. Auf der Grundlage dieser Faktoren sollte bestimmt werden, ob es sich lohnt, in die Plattform zu investieren.

 

Welche Aspekte der Hochschulbildung und -organisationen können Hochschulen digitalisieren?

Der Hochschulbetrieb umfasst zahlreiche Aspekte neben der Wissensvermittlung, Lehre und Forschung. Zwar können nicht alle Organisationsbereiche einer Hochschule auf digitalem Wege ausgeführt werden, aber es gibt einige wesentliche, die sich vollständig oder bis zu einem bestimmten Grad digitalisieren lassen. Zu den wesentlichen Aspekten der Hochschulbildung und des Hochschulmanagements, die über digitale Mittel praktiziert werden können und sollten, zählt die Lehre von Studierenden über Online-Vorlesungen in Echtzeit, Videos oder interaktive Tests. Ebenso können gewisse Verwaltungsaspekte innerhalb einer Hochschule digitalisiert werden, zum Beispiel das Ausfüllen und Prüfen von Bewerbungen/Zulassungen, das Erfassen der Studienfortschritte, der Austausch und das Ausfüllen von Unterlagen wie Buchhaltungsbelege, Human-Resource-Management (bezahlter Urlaub, Krankschreibung, Einstellungen), Qualitätssicherung (zum Beispiel Prüfen von Prüfungsergebnissen) sowie Forschungsverwaltung (Veröffentlichung neuer Forschungsergebnisse oder -publikationen). Sowohl wesentliche wie auch nicht-wesentliche Besprechungen in Angelegenheiten betreffend den Lehrplan, Finanzen und andere können auch über soziale Plattformen stattfinden, die es ermöglichen, Gruppengespräche mit und ohne visuellen Kontakt über Kamera abzuhalten sowie Dokumente auszutauschen oder Grafiken über das Teilen von Bildschirmen zu zeigen. Bis zu einem gewissen Grad kann auch Forschung durch digitale Mittel erfolgen, wenngleich nicht alle Formen der Forschung eine derartige Digitalisierung erlauben. Zum Beispiel können gewisse Experimente nicht auf digitalem Wege wie über Computerprogramme durchgeführt werden, insbesondere wenn das verwendete Equipment die Anwesenheit eines oder mehrerer Forscher auf dem Gebiet erfordert. Die Analyse gewisser Ergebnisse aus bisheriger Forschung, die einen entsprechend leistungsfähigen Computer voraussetzt, kann nur digital erfolgen. Ebenso können studentische und administrative Betreuung auf digitalem Wege stattfinden.

 

Die digitalen Alternativen der Bildung 4.0

Es gibt mehrere digitale Alternativen, die Hochschulen dazu dienen können, zu gewährleisten, dass Tätigkeiten wie die Lehre von Studierenden trotz der Präventivmaßnahmen der sozialen Distanz und Isolierung fortgeführt werden können. So können Lehrveranstaltungen in Echtzeit über soziale Kontaktplattformen wie Skype oder Dingtalk abgehalten werden, welche sowohl eine persönliche Kommunikation über Kamera als auch das Teilen von Computerbildschirmen ermöglichen. Unterrichtslektionen können in Echtzeit über Bildungsplattformen wie Alison und LabXchange geteilt und angehört werden, wobei digitaler Content durch Anwendungen wie EdPuzzle, Wildfire und Kaltura erzeugt wird. Bewertungen und Prüfungen können mit Plattformen wie Google Classroom oder Kahoot durchgeführt werden, wobei einige Anwendungen Lehrerenden ermöglichen, Prüfungen in Echtzeit durchzuführen, um den Stand der Fähigkeiten und Kenntnisse von Studierenden zu bewerten. Auch können Studierende sich mit Programmen wie KnowledgeGuru weiterhin auf Prüfungen und Studien vorbereiten. Dies kann durch das Beantworten von Quizfragen zu einemThema oder zu mehreren Themen erfolgen, indem man an Spielen teilnimmt, bei denen es um den Einsatz von Wissen zu gewissen Themen geht, sowie Flashcards, Mindmaps oder andere Mittel zum Lernen und Speichern von Informationen verwendet.

 

Was das Ausführen von Verwaltungsaufgaben wie die Bearbeitung von Zulassungen und Bewerbungen sowie anderer Dokumente wie Zeitpläne angeht, stehen Hochschulen ein relativ breites Auswahlspektrum zur Verfügung, darunter etwa Google Documents. In ähnlicher Weise wie bei Lehrveranstaltungen können Zusammenkünfte zwischen dem Personal aufgrund der Möglichkeit des visuellen Kontakts über Kamera und Dokumentenaustausch mittels Skype, Dingtalk oder anderen Anwendungen aus der Entfernung erfolgen. Das Mitverfolgen des Fortschritts und der Leistungen von Studierenden kann aus der Entfernung über Plattformen wie Schoology oder Mastery Connect erreicht werden. So trägt Master Connect zur Mitverfolgung des Lernfortschritts der Studierenden dadurch bei, dass es Lehrenden dabei behilflich ist, den Kenntnisstand von Studierenden zu erfassen sowie Daten nach Leistung und grundlegender Beherrschung zu diasaggregieren und so formative Beurteilungen unkompliziert und effizient zu gestalten. Zudem ermöglicht es durch die Verwendung einer Webkamera und dem Hochladen von Rubriken für ein unkompliziertes Bewerten eine zeiteffiziente Form von Multiple-Choice-Tests. Darüber hinaus können Lehrende Könnensstandards für sämtliche Formen der leistungsbasierten Bewertung festlegen. Auch besteht die Option des gemeinsamen Bewertungsaustausches und der Vergleichsanalyse.

 

Jede Hochschule verfolgt einen eigenen Ansatz hinsichtlich der Verwendung digitaler Alternativen und der Digitalisierung von Aspekten der Hochschulorganisation. Zum Beispiel räumt die duale Hochschule Baden-Württemberg die Möglichkeit zum Online- und Selbststudium ein und gibt an, schriftliche Prüfungsleistungen wie Studienarbeiten, Projektberichte, Bachelor- und Masterarbeiten rechtzeitig abgeben zu können, indem man mit den Fachbereichsleitern per E-Mail oder Telefon in Kontakt tritt und sie um eine Verlängerung der Fristen bittet. Die Universität Göttingen hat sich dazu entschlossen, Studierende mittels der Webkonferenz-Anwendungen Adobe Connect und DFNconf online studieren zu lassen, wobei sowohl Lehrende als auch Studierende Anweisungen erhalten. Überdies können Hochschulkonferenzen entweder per Videokonferenz abgehalten werden oder dadurch, dass man größere Räume bei einer eingeschränkten Anzahl von Teilnehmern nutzt. Die Fakultäten der Universität sind dazu bereit, mündliche Prüfungen für einzelne Bereiche über Video- und Audio-Übertragung anzubieten. Ebenso bieten sie Zugang zu elektronischen Zeitschriften und Büchern über die Nutzung von Heimnetzen (Home Area Networks) oder virtuellen privaten Netzwerken (Virtual Private Networks). Die Freie Universität Berlin hat beschlossen, ihr Orientierungsprogramm in eine digitale Veranstaltung über das Portal Distributed Campus umzuwandeln. Die Technische Universität München hat sich entschieden, die Server-Kapazität ihrer Systeme als temporäre Alternative zu erhöhen, bis eine langfristige Offline-Option entwickelt und vorbereitet wurde.

 

Hochschulen sind bereit, künfig weitere Maßnahmen vorzunehmen

Der Ausbruch des Coronavirus hat es für Hochschulen notwendig gemacht, soziale Veranstaltungen wie Vorlesungen bis zur zweiten Aprilhälfte zu verschieben oder abzusagen, wobei die Möglichkeit bestehen bleibt, den Zeitpunkt zu verlängern. Zudem sind die Hochschulen bereit, weitere Änderungen vorzunehmen, sollten sich die Maßnahmen als ineffizient erweisen, so zum Beispiel das Absagen des Sommersemesters. Ob derartige Maßnahmen nötig sein werden, hängt von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab.

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